... dass das heute noch immer so ist

Kontinuitäten der Ausgrenzung

Month: März 2017

Filmvorführung in Berlin 24.4.2017

Am Montag, 24.4. wird der Film beim OSI Fachschaftstresen gezeigt.

Geöffnet ist ab 19 Uhr, Beginn der Veranstaltung ist (Vortrag, Film und Q&A) um 19:30 Uhr. Vor dem Film gibt es einige Informationen zum Jugendkonzentrationslager für Mädchen und junge Frauen und späterem Vernichtungsort Uckermark sowie zur Arbeit der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark und der aktuellen Situation. Im Anschluss an den Film gibt es die Möglichkeit eines Gesprächs mit Menschen aus dem Filmteam.

Ort: Bandito Rosso,

Filmvorführung Berlin 6.4.17 19.30 Uhr

Im Café Fincan. Altenbrakerstr. 26 (Neukölln). (www.fincan.eu)

am 6. April ab 19:00, Beginn 19:30

Filmclub Frida zeigt: „… dass das heute immer noch so ist. Kontinuitäten der Ausgrenzung.“
(www.film-kontinuitaeten-heutenoch.de)
Ein Dokumentarfilm der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V. in Kooperation mit der Österreichischen Lagergemeinschaft.
Mit anschließendem Gespräch mit dem Filmemacher Tom Weller (www.tom-weller.de).

http://www.stoerenfridaberlin.de/

Frauenleben-Sendung auf Radio CORAX 18.3.17

zum Nachhören

Interview mit Sylvia Köchl zu ihrem Buch „Das Bedürfnis nach gerechter Sühne“

Sylvia Köchl »Das Bedürfnis nach gerechter Sühne«

Wege von österreichischen »Berufsverbrecherinnen« in das Konzentrationslager Ravensbrück.

Die Nazis träumten von einer verbrechensfreien Gesellschaft. Sie zogen Ideen und Dis­kur­se rechtsextremer Kriminalisten heran und konzipierten die »vorbeugende Ver­bre­chens­­bekämpfung«. Sie wollten also Ver­brechen »be­kämp­fen«, bevor sie über­haupt geschahen. Men­schen wurden als »Berufs­ver­bre­che­rIn­nen« klassi­fiziert und in »Vorbeugungs­haft« genommen, das heißt, in einem Kon­zen­tra­tions­lager interniert und mit dem »grünen Win­­kel« gekennzeichnet.

Dieses Buch erzählt die Geschichten von acht »Berufsverbrecherinnen« – vorbestrafte Abtreiberinnen und Diebinnen aus Österreich, die ins Frauen-KZ Ravensbrück deportiert wurden.

Über diese KZ-Häftlingsgruppe ist bis heute fast nichts bekannt, und von den Opfern existieren keinerlei Selbstzeugnisse. Anhand von Gerichtsakten rekonstruiert Sylvia Köchl die Biografien und arbeitet ein bisher unbekanntes Kapitel der NS-Geschichte auf.

Sylvia Köchl, geb. 1965, Politikwissenschaft­lerin und Journalistin in Wien, Aktivis­tin in der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravens­brück & FreundInnen sowie in diversen weiteren antifaschistischen & feministischen Zusammen­hängen.

missy-magazine.de-Der falsche Winkel

Gedenkzeichen für verfolgte lesbische Frauen im NS

gedenkugel

„Wildes Gedenkzeichen“
Bereits seit den 80er Jahren gibt es Bemühungen von Lesbengruppen und –organisationen, Historikerinnen und Aktivistinnen einen Gedenkort in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück zu schaffen für die lesbischen Frauen, die im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück und im Jugendkonzentrationslager für Mädchen und junge Frauen Uckermark verfolgt und ermordet wurden. Der LSVD Berlin-Brandenburg und weitere Verbände hatten bereits einen Antrag zur Anbringung einer Gedenktafel für lesbische Häftlinge in Ravensbrück gestellt, den der Beirat in seiner Sitzung am 26.11.2012 abgelehnt hatte. Wir – feministische Frauen und Lesben aus der BRD und Österreich – haben in den drei vergangenen Jahren vor Ort Veranstaltungen und Gedenken zu diesem Thema organisiert. Im Rahmen der Gedenk-Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung haben wir 2015 eine Gedenkkugel niedergelegt. Nachdem die Gedenkstättenleitung die Gedenkkugel entfernt hatte, da sie nicht offiziell genehmigt war, haben wir uns entschieden, als Initiative „Autonome feministische Frauen Lesben aus Deutschland und Österreich“ einen offiziellen Antrag zu stellen. Dafür haben wir um Unterstützung in Form von Unterschriften gebeten. Vielen Dank für die vielen Unterschriften, Rückmeldungen, Kommentare und Zuspruch für unser Anliegen‚ die Gedenkkugel für die „verfolgten und ermordeten lesbischen Frauen im ehemaligen Frauenkonzentrationslager Ravensbrück dauerhaft zu verankern’. Es haben mittlerweile 519 Personen und Organisationen aus 27 Ländern unterschrieben! Vielen Emails waren interessante und berührende Geschichten und Ermunterungen angehängt. Am 19.05.2016 hatte auch das Internationale Ravensbrück Komitee (IRK) auf der Jahrestagung in Wien entschieden, unseren Antrag auf Niederlegung der Gedenkkugel zu unterstützen. Die lange, beeindruckende Unterschrif
tenliste haben wir – wie angekündigt – unserem offiziellen Antrag beigefügt.
Auszug aus dem offiziellen Antrag: „Entsprechend der Leitlinien der Mahn- und Gedenkstätten Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten für die Anbringung von Gedenktafeln beantragen wir wie folgt eine Gedenktafel bzw. ein Erinnerungszeichen mit der Inschrift: In Gedenken aller lesbischen Frauen und Mädchen im Frauen-KZ Ravensbrück und Uckermark. Lesbische Frauen galten als „entartet“ und wurden als „asozial“, als widerständig und ver-rückt und aus anderen Gründen verfolgt und ermordet. Ihr seid nicht vergessen! · Für die Erhaltung und Pflege der Gedenktafel bzw. des Erinnerungszeichens übernehmen die Antragstellerinnen die Verantwortung, ebenso für die Anfertigung, den Transport, den Aufbau und die sichere Aufstellung.“
Entscheidung verschoben: Die Gremien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten haben nun beide eine Entscheidung verschoben. Sowohl in der Sitzung des Internationalen Beirats am 14. November 2016 als auch in der Fachkommission am 6.12. 2016 gab es sehr kontroverse Diskussionen. Eine endgültige Entscheidung wurde auf den 5. Mai 2017 verschoben. Der Beschluss der Beiratssitzung lautet: „Nach intensiver und kontroverser Diskussion kann derzeit kein Beschluss für oder gegen den Antrag gefasst werden. Kompromisse wären der frühere Konsensvorschlag oder die Nennung konkreter Namen.“ Der Formulierungsvorschlag aus dem Jahr 2011 lautete: „Im Gedenken an lesbische Frauen, die aus politischen, religiösen, rassistischen oder sozialen Gründen im KZ Ravensbrück in den Jahren 1939-1945 inhaftiert waren.“ Diese Formulierung haben wir diskutiert, beantragen aber weiterhin, die von uns verfasste Inschrift.
Insbesondere der ehemalige Sprecher des LSVD Brandenburg und Vertreter der Opfergruppe der Homosexuellen im Beirat, Alexander Zinn, will eine Gedenktafel unbedingt verhindern. Er hatte bereits in dem Streit um das Homomonument in Berlin einen öffentlichen Brief verfasst, um zu verhindern, dass damit auch lesbischen Frauen im Nationalsozialismus gedacht wird. In einer Stellungnahme an den Beirat schreibt er zwar, dass „die NS-Machthaber auch die weibliche Homosexualität ablehnten“, diese jedoch nicht verfolgt worden sei, da sich der §175 nicht auf lesbische Frauen bezog. Den Wunsch nach einem sichtbaren Zeichen des Gedenkens an lesbische Frauen bezeichnet er auf Basis dieser Argumentation als das Schaffen der „Legende einer Lesbenverfolgung“, die sich auf „zweifelhafte Einzelfälle“ stütze, „unseriös“ sei und „Geschichtsklitterung“, die „einer vollkommen unakzeptablen Instrumentalisierung der Geschichte für aktuelle politische Interessen“ diene. Die Initiative ,,Autonome feministische Frauenlesben aus Deutschland und Österreich“ habe „durch ihr Handeln demonstriert, dass sie nicht bereit ist, die Beschlüsse des Beirats zu akzeptieren… und habe „bei der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung im April 2015 einfach ein „wildes Gedenkzeichen“ niedergelegt. Andererseits sei auch der offizielle „Antrag ein Affront gegenüber dem Beirat“. Wir sind alle sehr enttäuscht über diese Entscheidung, aber auch erbost und entsetzt über den abwertenden Umgangston. Wenn ihr eigene Kommentare oder Proteste an den Internationalen Beirat senden wollt: Postalisch: Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten z.Hd. internationaler Beirat, Vorsitzender Thomas Lutz Heinrich-Grüber-Platz 1 – 3 16515 Oranienburg E-Mail: info@stiftung-bg.de
Safe the date – Symposium: Identitätspolitik und Gedenken Schwul-Lesbische Erinnerungskulturen in der Diskussion
Ein Symposium am 20. / 21. April 2017 im Kontext des 72. Jahrestages der Befreiung des Frauen-Konzentrationslagers
Veranstalterin: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Schirmherrin: Monika von der Lippe, Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg
Donnerstag, den 21. April 16 Uhr Begrüßungen / Empfang /Vorstellung des Projektes der deutsch-österreichischen Initiative: Eine Gedenkkugel für Ravensbrück
Freitag, den 22. April 2017 Vorträge, Diskussionen, sowie eine Podiumsdiskussion
Gedenkstätten an Orten ehemaliger Konzentrationslager sind von jeher gefragte Orte für geschichtspolitisches Handeln. Gedenkzeichen, die staatlicherseits, aber auch von zivilgesellschaftlichen Initiativen gesetzt werden können, suchen spezifische historische Verfolgungskontexte sichtbar zu machen. Zugleich artikulieren sie aber immer auch gegenwartsbezogene Ansprüche auf Sichtbarkeit und Anerkennung.
In Folge der schwul-lesbischen Emanzipationsbewegungen werden seit Anfang der 1980er Jahre Gedenkzeichen in KZGedenkstätten gesetzt, die an das Schicksal männlicher homosexueller Häftlinge erinnerten; auch für die Erinnerung an lesbische Häftlinge hat es verschiedene Gedenkinitiativen gegeben. Indes war dieser Prozess von Anbeginn von einer Kritik begleitet: Ziele, so eine der Vermutungen, die Praxis des Gedenkens an diesen Orten nicht auf eine Konstruktion von „Vorfahren“ und „Ahnen“, die allesamt in der NS-Zeit verfolgt wurden? Und stellt nicht eben diese Praxis die heutigen „Nachkommen“ quasi in eine Tradition der Unschuld? Inwieweit begeben sich schwul-lesbische Initiativen in die Falle einer identitären Besetzung des Vergangenen, in der beispielsweise die Homosexualität im Milieu der SS-Täterinnen und Täter vollends aus dem Blick gerät?
Gleichwohl stellt sich die Frage, ob identitätspolitische Motive nicht grundsätzlich konstitutiver Bestandteil von Akten öffentlichen Gedenkens sind. Sind Entscheidungen über die Legitimität von Gedenkzeichen nicht immer auch Entschei
dungen darüber, welche sozialen Gruppen in ihrem Anspruch auf gesellschaftliche Sichtbarkeit unterstützt werden und welche nicht? Das geplante Symposium ist diesen Fragen gewidmet. Anlass ist die Kontroverse um die Legitimität öffentlichen Gedenkens lesbischer Frauen, die erstmals in aller Schärfe in den 1990er Jahren um das Denkmal für verfolgte Schwule und Lesben im Berliner Tiergarten geführt wurde und derzeit in der Gedenkstätte Ravensbrück eine Fortsetzung findet. Das Symposium sucht Aktivistinnen, Geschichts- und KulturwissenschaftlerInnen, Mulitplikatoren und Interessierte miteinander ins Gespräch zu bringen. ReferentInnen: Gabriele Dietze, Humboldt-Universität zu Berlin; Insa Eschebach, Gedenkstätte Ravensbrück; Anna Hajkova, University of Warwick, England; Sabine Hark, TU Berlin; Thomas Lutz, Stiftung Topographie des Terrors; Thomas Rahe, Gedenkstätte Bergen-Belsen; Corinna Tomberger, Freie Universität Berlin Initiative Autonome feministische Frauen Lesben aus Deutschland und Österreich. Ort: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Straße der Nationen 2 16798 Fürstenberg/Havel
Das genaue Programm werden wir in der nächsten Ausgabe der Krampfader veröffentlichen. Es wird aber auch vorher auf der website – www.ravensbrueck.de – der Gedenkstätte einzusehen sein. Wir hoffen, dass ihr zahlreich das Symposium und dann auch die Feierlichkeiten zum Jahrestag der Befreiung besuchen könnt.
„Autonome feministische FrauenLesben aus Deutschland und Österreich“ Kontakt: Email: Gedenkkugel@gmx.de

Wildes Gedenken

Nachruf Maria Potrzeba

MariaBW

Zum Abschied von Maria Potrzeba

In der Nacht zum 25.2.2017 ist unsere Freundin Maria Potrzeba gestorben. Am 1. April wäre sie 90 Jahre alt geworden. Nach einem Oberschenkelbruch im Januar setzte sie alle Kräfte daran, bis zu ihrem Geburtstag wieder auf den Beinen zu sein.

Ich hatte sie einmal gefragt, wann und wie sie Kontakt zur Lagergemeinschaft bekommen hatte, sie wusste es nicht mehr. Aber zum Glück gab es diese Verbindung, hinter ihrem Namen damals der Vermerk, dass sie im KZ Uckermark inhaftiert war. So konnten wir sie zur ersten Befreiungsfeier auf dem Gelände des ehemaligen KZ Uckermark 2005 einladen. Auch wenn wir uns damals verfehlt haben (es war eine Befreiungsfeier, zu der noch viele Überlebende kommen konnten und eingeladen waren zu kommen, so dass es schwer war, jemanden zu treffen, den mensch nicht kannte); das war der Beginn unserer Freundschaft mit Maria. Zunächst Briefe und Telefonate, dann kamen auch bald Besuche in Herne dazu.

Maria hat lange Zeit über ihre Geschichte geschwiegen:

Sie wurde im Sommer 1942 als Vierzehnjährige von der Gestapo verhört und gezwungen, ein Geständnis zu unterschreiben, dass sie eine sexuelle Beziehung zu einem polnischen Zwangsarbeiter habe. Sie wurde von zu Hause abgeholt und über verschiedene Erziehungsheime ins Jugendkonzentrationslager Uckermark deportiert. Die Demütigungen, Schläge, die Bestrafungen und der Hunger und viele weitere schreckliche Erlebnisse haben ihr Leben lang ihre Erinnerungen und ihre Träume beherrscht.

Es ist der Historikerin Gisela Schwarze aus Münster zu verdanken, dass Maria, auch öffentlich, 1995 begann, über ihre Geschichte und Verfolgung zu sprechen. Frau Schwarze erkämpfte für Maria und einige ihrer Freundinnen aus dem Jugendkonzentrationslager eine einmalige Entschädigungszahlung von 5000 DM und veröffentlichte deren Verfolgungsgeschichten. Sie wurde eine gute Freundin und Weggefährtin für sie.

Seit 2005 sprach Maria auch mit uns aus der Uckermarkinitiative über ihre Erlebnisse. Wir haben ihr viel zu verdanken. Auch wenn Maria aus gesundheitlichen Gründen nie an den Befreiungsfeiern oder an den Bau- und Begegnungscamps teilnehmen konnte, es gab immer Grüße oder einen Brief von ihr. Bei jeder Befreiungsfeier wurde etwas von ihr verlesen. Ihr lag besonders am Herzen, dass das Jugendkonzentrationslager als das benannt wird, was es war: ein Konzentrationslager. Es verletzte sie und machte sie wütend, wenn über das KZ Uckermark als Jugendschutzlager gesprochen wurde. „Wir wurden nicht geschützt.“ sagte sie und entlarvte die Bezeichnung als irreführend und verharmlosend. Immer wieder wies sie auch darauf hin, dass sie im Herbst 1944 mit Freundinnen auf dem Lagergelände einen Graben ausheben mussten und sie wünschte sich, dass dies erforscht wird.

Für Maria war das Leid, wie für alle als sogenannt „asozial“ Verfolgten, 1945 nicht zu Ende. Das was auf staatlicher Ebene das Bundesentschädigungsgesetz definierte, das nämlich Menschen, die als sogenannt „asozial“ verfolgt wurden, kein Recht auf Rehabilitation und Entschädigung bekamen, musste sie in ihrem Heimatort ganz konkret erfahren: Sie wurde nach ihrer Rückkehr weiter ausgegrenzt und als „Polenliebchen“ beschimpft. Die Stigmatisierung betrifft auch ihre Familienangehörigen, bis heute.

Als ich sie vor drei Jahren fragte, ob sie sich vorstellen könne, dass wir einen Film über sie machen, stimmte sie nur zögernd zu. Sie ahnte wohl schon, wie retraumatisierend die Filmarbeiten für sie werden würden. Nach den ersten Dreharbeiten entschied sie, nicht weiter mitzumachen. Und dann ließ es ihr doch keine Ruhe. Nach vielen vielen Gesprächen, sie mit anderen, wir mit anderen, wir miteinander fanden wir einen Weg, wie sie den Film zu ihrem Projekt machen konnte, mit all ihrer Energie, ihrem Ideenreichtum, ihrem Witz und Mut führte sie von da an mit Regie. Schließlich fasste sie den Mut, in ihr Heimatdorf zu fahren und den Gedenkstein für die beiden ermordeten polnischen Zwangsarbeiter anzusehen.

Die Filmarbeiten bedeuteten für Maria viele schmerzhafte Situationen, Erinnerungen und Auseinandersetzungen, und auch gab es Momente, in denen wir herzhaft gelacht haben.Und immer wurden wir umsorgt und es gab etwas Leckeres zu essen. Das war wichtig für sie, andere zu umsorgen.

Der Film bedeutete auch, mit ihren Angehörigen zusammenzukommen und das erste Mal in größerer Runde über ihre Geschichte zu sprechen. Wir sind froh, dass Maria den fertigen Film noch sehen konnte und Rückmeldungen nach verschiedenen Vorführungen bekam. Maria war froh, dass es den Film gab und sie war stolz darauf, zu sprechen. Es war ihr immer ein Anliegen, dass die Geschichte und die verfolgten Menschen nicht vergessen werden. So wie sie schon als Vierzehnjährige nach eigenen menschlichen Maßstäben handelte und die Zwangsarbeiter genauso als Menschen ansah wie andere auch, hat sie ihr Leben lang vertreten, dass allen Menschen, egal woher sie kommen oder wie sie sind, Menschlichkeit und Respekt gebührt.

Danke Maria, für all dein Vertrauen, deinen Mut, deine Beharrlichkeit, deine Wärme…!

Wir werden dich vermissen!

Auf dem Gelände des ehemaligen KZ Uckermark steht hinter dem Gedenkstein eine Linde. Linden sind Marias Lieblingsbäume. Dieser Baum ist zum Gedenken an Maria und ihre Freundinnen und alle Inhaftierten im KZ Uckermark gepflanzt worden. Jedes Jahr bekam sie Fotos, um zu sehen, wie der Baum wächst. Jetzt wird es für mich einer der Orte sein, an dem ich für sie eine Blume hinlege und mich an sie erinnere.

Gute Reise und viel Leichtigkeit ohne die Schwere der Erinnerungen wünsche ich dir.

nelke

Heike Rode

Maria ist am 25.2.2017 gestorben

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Maria ist in der Nacht zum 25.2.2017 gestorben. Sie wird uns fehlen!

Wir sind ihr unendlich dankbar für ihren Mut, ihr Vertrauen in uns und unsere Arbeit und für alles, was sie mit uns geteilt hat.

Sie hat Gedichte sehr geliebt. Hier ist eines zum Abschied. Gute Reise!

Es war, als hätt‘ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt‘.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Joseph Freiherr von Eichendorff

Interview Radio Corax